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LOYworksDas Prinzip der StimmbildungDie nachfolgenden Ausführungen beschreiben die Grund-Gedanken meines Unterrichts-Konzeptes und sind für denjenigen/diejenige Leser/in schwerer nachzuvollziehen, die nicht bei mir im Unterricht sind oder waren, und auch niemals einen meiner Workshops besucht haben. Eine Auseinandersetzung entweder zur Auffrischung oder zur Gedanklichen Anregung ist aber in jedem Falle interessant. Möglicherweise werde ich zu einem späteren Zeitpunkt die Ausführungen verdeutlichen und weiterführend ergänzen. 1.
Balance /
Organisches
1. Balance / OrganischesWie immer im Leben gilt es BEIDE Seiten zu betrachten. Die klangliche äußere Form der Stimme - also die Hüllkurve der physikalisch wahrnehmbaren Schwingung des erzeugten Tones - ist NICHT gesanglich, wenn sie nicht INHALTLICH erfüllt ist mit einem Gefühl, mit einer Aussage, mit Leben. Singen ist NICHT reine, statische Klangerzeugung, sondern ein ergreifender Gesang-Vortrag ist nur dann wirklich gut, wenn die Stimme erfüllt ist mit Gefühl und somit Emotionen aussendet. Erst eine Stimme, die etwas transportiert und somit im Hörer auf der Gefühl-Ebene etwas auslösen kann ist eine lebendige Stimme. Die Stimme nimmt einen Weg vom Singenden zum Hörer und das bedeutet, dass der/die Singende der eigenen Stimme eine RICHTUNG geben muß. Einmal räumlich NACH VORNE zum Hörer hin und einmal INHALTLICH genau definiert in der Aussage, in dem was es bedeuten soll. ICH schicke die Stimme auf den WEG. Mein ENTSCHLUSS definiert was geschieht und die Stimme GEHORCHT.Wenn ich Singen will, und diesen Entschluss gezielt und ohne Umschweife in die Tat umsetze, gehorcht meine Stimme sofort und es entsteht ein exakter Ton. Exakt allerdings "nur" begründet in der Exaktheit meines Befehles und in der Konkretheit meiner Ausführung. Wenn ich mir nicht sicher bin, wenn ich anstatt zu sagen: "Ich werde diesen vorgegebenen Ton nachsingen!" eine feine Modulation vornehme und daraus "Ich werde versuchen diesen Ton nach zu singen!" mache, wird das Ergebnis auch davon geprägt sein und der Ton nicht ganz genau erklingen. DIE STIMME GEHORCHT EXAKT AUF MEINE BEFEHLE! Die Stimmbänder sind die feinen, schwingungsfähigen Ränder der Stimmlippen im Kehlkopf. Kurz bevor ich beginne tatsächlich zu singen zeigt sich die innere Bereitschaft der Stimmbänder durch eine feine EIGENSCHWINGUNG ohne erklingenden Ton. Mit dem Ansetzen des Tones schließen die Stimmbänder kurz und öffnen sich in exakt der Dehnung, die erforderlich ist um den vorgegebenen Ton erklingen zu lassen. Dieser Prozess ist absolut. Ich kann ihn STÖREN, wenn ich ihn versuche zu beeinflussen und selbst eingreife. Durch MEIN HINZUTUN verhindere ich eine perfekte INTONATION. Mein Körper führt exakt das aus, was ich ihm befehle. Das Organische Geschehen ist eine Reaktion auf meine Geistigen Befehle. Je genauer ich das weiss, desto konkreter kann ich befehlen, desto gezielter reagiert meine Stimme und desto kontrollierter ist meine Klangerzeugung. Diese Wechselbeziehung und dieser Weg von Innen nach Aussen, von der Vorstellung in die organische Ausführung, ist der Grundstein zum Verständnis der Stimme und zur Fähigkeit das Singen kontrolliert in eine Höchstform zu bringen. Nicht mehr nur länger "mitzusingen", "vor mich hin" zu singen, sondern alle Prozesse zu intensivieren und die eigenen Stimme zu einer Höchsten Ausdrucksform zu führen, ist eine Große Kunst. Innerhalb dieser Großen Kunst des Singens finden alle Prozesse in einer übergeordneten Balance statt und diese Tatsache kann mir auf dem Weg dorthin von großer Hilfe sein. Denn, wenn ich weiss, dass Alles letztendlich ausbalanciert sein wird, kann ich feststellen wo Unausgewogenheiten sind und kann gezielt daran arbeiten. Alle Kräfte wirken in beide Richtungen: Haltend und Entspannung freisetzend gleichzeitig. Die Stimme wird nach Vorne ausgerichtet und gleichzeitig IM Körper in Resonanz gehalten. Ich stabilisiere meine Körperspannung und ÖFFNE gleichzeitig die Stimme und setze sie locker an. Alles geschieht gleichzeitig unter Relativierung der Gegensätze. Balance heißt nicht einseitig nur positives, sondern immer auch den Gegenpol mit zu erhalten. Geben UND Halten - Anspannen UND Öffnen - Die Stimme gezielt ansetzen UND nicht in die folgenden Geschehnisse eingreifen.
2. Stabilität / AtmungEin gelungener Gesang basiert auf der Fähigkeit mit der Stimme gefühlvoll Inhalte zu vermitteln. Singen ist die Arbeit mit der lebendigen Stimme. Wenn der Zuhörer berührt werden kann ist die Stimme angekommen. Diese Möglichkeit mit der Stimme zu arbeiten setzt allerdings eine ganz bestimmte ORGANISCHE Konstellation voraus. Wo ich künstlerisch ganz frei bin in meiner Interpretation, beim Singen unterliege ich als Sänger immer einem ganz bestimmten Klangerzeugungs-Vorgang. Für jeden Sänger und jede Sängerin gilt die gleiche Gesetzmäßigkeit in der Erzeugung des organischen Tones. Die Schwingung der Stimmbänder im Kehlkopf ist der Anfang. Die feinen Ränder der Stimmlippen bringen jeweils einen feinen Ton hervor, hervorgegangen aus der Eigenschwingung und aufrecht erhalten durch die beim Singen und Sprechen unwillkürlich an den Stimmbändern vorbei fließenden ATEMLUFT. Die Luft ist jetzt in soweit hilfreich bei der Tonerzeugung, indem sie die Schwingung aufrecht erhält. Wie der Geigen-Bogen über die Geigen-Saite streicht und die Schwingung der Saite aufrecht erhält, streicht die Luft an den Stimmbändern entlang und hält deren Schwinung aufrecht. Was bis hierher entsteht ist immer noch ein eher feiner Ton - noch wenig kraftvoll. Die Stärkung dieses Tones erfolgt jetzt NICHT mit gesteigerter Luftzufuhr gegen die Stimmbänder. Das wäre völlig uneffektiv, denn anstatt mehr zu schwingen geschieht genau das Gegenteil, die Schwingung wird eingeschränkt, weil gegen den Luft Druck zusätzlich eine gesteigert Oberflächenspannung der Stimmbänder gebildet werden muß. Nur eine ganz bestimmte KLEINE Luftmenge ist erfordelich und in jedem Falle ausreichend um die vollsten, lautesten, durchdringendsten Töne hervorzubringen, ohne dass eine vor den Mund gehaltenen Kerze flackern würde. Denn nicht die Luft bestimmt den Sound der Stimme, sondern die von der Schwingung der Stimmbänder ausgehende RESONANZ im ganzen Körper des Singenden. Diese Resonanz bestimmt den SOUND, also den KLANG der Stimme, nicht die Luftmenge oder gar der Luftdruck mit dem gesungen wird. Das ist immer wieder wichtig fest zu stellen. Ein möglicherweise hoher Luftverbrauch beim Singen führt sehr oft dazu, dass unwillkürlich mehr und tiefer eingeatmet wird, sozusagen um Luftreserven aufzubauen. Das ist aber absolut unnötig. Der hohe Luftverbrauch findet statt weil nicht genügend Resonanz im Körper aufgebaut wird. Indem ich auf den Luftverbrauch achte und dieses Problem angehe durch ein Mehr an Luftreserven verliere ich die Kontrolle über den eigentlichen Kern der Stimme, über die Resonanz und den Sound, den ich eigentlich verliere und deshalb mehr Luft verbrauche als notwendig. Die Luft fließt ungenutzt an den Stimmbändern vorbei und erzeugt keine Schwingung. An der Resonanz muß ich also arbeiten, wenn ich meine Stimme kräftigen will und nicht an der Luft. Wozu also Atemtechnik? Das Wort Atem-TECHNIK vermittelt einen falschen Eindruck von dem worum es beim Singen geht. Der natürliche Atem-Vorgang findet nicht durch eine eigenständige Bewegung der Lungenflügel statt, die sich die Luft selbst einsaugen können. Die Lungen habe keine Möglichkeit einer eigenständigen Bewegung. UM die Lungen HERUM ziehen bei der Atmung Muskeln die Oberfläche der Lungenflügel nach AUSSEN. Diese Vergrößerung der Außen-Oberläche der Lungenflügel bewirk INNEN die Entstehung eine Unterdrucks und dieser saugt Luft in die Lungen. Es ist wie bei einer Luftpumpe. Wenn ich jetzt gezielt in den Brustkorb einatme fülle ich damit nur den oberen Bereich der Lungenflügel und Blähe meinen Brustkorb damit auf. Der untere Bereich der Lungenflügel bleibt ungenutzt. Außerdem kann ich mit dieser Verspannung des Brustkorbs nicht gut sprechen, geschweige denn singen. Viel unverspannter verläuft die Atmung, wenn ich dem natürlichen Weg der Atmung folge und in den BAUCH atme. Die Bauchdecke zieht die Lungenflügel nach Unten und die einströmende Luft verteilt sich gleichmäßig in die Lungen. So gleichmäßig, dass ich die Luft garnicht mehr in den Lungen spüre, sondern tatsächlich den Eindruck habe in den Bauch zu atmen. Das Zwerchfell spielt dabei die entscheidende Rolle, denn dieser Muskel-Lappen liegt zwischen Lungen und Bauchraum und ist das Bindeglied zwischen Bauchdecke und Lungen. Die Bauchmuskulatur zieht das Zwerchfell und das Zwerchfell zieht die Lungenflügel nach Unten. Das so entstehende BAUCHGEFÜHL ist der erste Schritt zum richtigen STÜTZEN der Stimme. Nach und nach wird auch nach Hinten in den Rücken Stabilität in der Muskulatur spürbar. Zuerst nur leicht, dann mehr und mehr bis hinauf in die SCHULTERN, und bis in den Nacken. Dort hinten im Nacken wirkt diese Aktivierung der Muskulatur bis an den Kehlkopf, also bis an die Stimmbänder. Rund herum fühlt sich jetzt dieses Körpergefühl stabilisierend an. Vom Bauch gleichzeitig in den Rücken und bis hinten herauf in die Schultern. Diese umfassende Stabilität ergibt für den Singenden ein neues Körpergefühl mit dem er nicht nur eine perfekte Grundeinstellung gefunden hat, sondern mit dessen Hilfe jetzt die Stimme kontrollierbar wird. Wie ein Instrumenten-Korpus ist jetzt der Sänger-Korpus aufgebaut und bereit der Stimme die nötige Resonanz zu geben. Wichtig dabei ist es die Luft immer möglichst tief in den Unterbauch fallen zu lassen, also nicht zu hoch direkt in den Bauch, bzw. in das Zwerchfell zu stützen. Die Luft fällt nach unten in den Bauch und es entsteht eine Spannung der Bauchdecke nach AUSSEN, nicht nach Innen. Das Zwerchfell muss frei bleiben von Verspannung. Natürlich wird beim Singen die ganze Bauchdecke angespannt, aber es ist ein Unterschied ob ich hinein stütze, nach innen in den Bauch, oder ein Bauchgefühl nach AUSSEN aufbaue. Das ist sehr entscheidend für die richtige Entfalltung der Resonanz. Mit dem richtigen Stützen wird das Zwerchfell durch die Bauchmuskulatur nach unten gehalten. Gleichzeitig wird ja beim Singen immer eine zwar sehr geringe aber trotzdem bestimmte Luftmenge benötigt. Das heißt das Zwerchfell muß immer auch ein wenig nachgeben, damit Luft abgegeben werden kann. Es entsteht für das Zwerchfell also eine Art "hin-und-her" Orientierung. Einerseits nach Unten von der Bauchdecke gehalten, andererseits nach Oben immer ein wenig loslassend. Das erzeugt ein Art SCHWEBUNG auf dem Zwerchfell. Ein Flattern mit einer bestimmten Frequenz. Dieses Flattern wird an die Luftsäule weiter gegeben und erzeugt für die anliegende Resonanz das sogenannte VIBRATO. Das richtige Vibrato wird also im Bauch mit dem Zwerchfell gebildet, automatisch, mit nur einer feststehenden Fequenz. Eine andere Form des Vibrato entsteht oft in der Kehle, wenn das AUFMACHEN nicht stabil genug bleibt. Die Schwebung heißt dann TREMOLO und ist in der Frequenz steuerbar und kontrollierbar. Dieses Tremolo wird in der Pop und Rock Musik sehr gezielt eingesetzt. Fest steht jedoch eines: Erst mit dem "echten" Vibrato hat die Stimme auch einen wirklich TIEFEN, körperlichen Sound, mit viel Körper-Resonanz. Das Tremolo hält die Stimme im Hals und damit im Sound eher flach. Es ist besonders wichtig mit diesen beiden unterschiedlichen Schwebungen zu experimentieren um eindeutige Ergebnisse zu erziehlen, denn sehr oft überlagern sich Beide gleichzeitig zu einem sehr stockenden, ungleichmäßigen Wackeln der Stimme, welches als sehr unangenehm und unstetig empfunden wird und deshalb oft schon im Ansatz unterdrückt wird. Zusammen genommen wirken Tremolo und Vibrato eher als wackelig. Nur einzeln und gezielt eingesetzt werden sie jeweils Grundlage für einen brauchbaren harmonisierenden Schwebungszustand der Stimme. Das Vibrato ist dabei ein wesentlicher und wichtiger Bestandteil des Grund-Sounds der Stimme und sollte voll entwickelt werden. Mit dem Vibrato öffnet sich die Tiefe in der Stimme.
3. Sound / ResonanzDie Resonanz der Stimme im Körper IST die Stimme. Dabei bilden bestimmte Resonanz-Erscheinungen ganz bestimmte Sounds der Stimme ab. Jeder hat schon mal vom Unterschied zwischen Kopf- und Brust-Stimme gehört und die Vermutung liegt nahe, dass es bei der Kopfstimme um reine Kopf-Resonanzen und bei der Brust-Strimme um reine Brust-Resonanzen handelt, die jeweils das entsprechende Stimm-Register hervorbringen. Das ist falsch. Sowohl Kopf- als auch Brust-Stimme beinhalten im Idealfall gleichermaßen Brust- UND Kopf-Resonanz. Das ist sogar sehr wichtig, nicht nur um einen ausgeglichenen Sound entstehen zu lassen, sondern auch um der exakten Intonation willen. Im klassischen Ideal steht die Kopf-Stimme der Sängerinnen im Vordergrund der Entwicklung und die Brust-Stimme der Sänger. In beiden Fällen geht es um die Entwicklung eines ausgeglichenen Brust- und Kopf-Resonanz Verhaltens. Zunächst hat der Übergang von Brust- zu Kopf-Stimme mit der Tonhöhe zu tun. Ab einer bestimmten Tonhöhe entsteht auf den Stimmbändern dieAlternative zwischen zwei unterschiedlichen Schwingungs-Zuständen. Einmal können sie wie ein durchweg kompaktes Band eine gleichmäßige Oberflächen-Spannung aufbauen und darauf einen Ton erzeugen, das entspricht der Brust-Stimme. Dann wiederum ist es ab einer bestimmten Tonhöhe möglich mehr und mehr in eine energetisch bessere Schwingung zu geraten, da es mehr und mehr schwieriger wird mit gesteigerter Dehnung der höheren Töne über das ganze Stimmband eine kompakte Spannung zu halten. Jetzt wird es tendenziell einfacher eine an den äußeren Rändern der Stimmbänder anliegende Spannung zu konzentrieren und zur Mitte der Stimmbänder hin die Spannung lockerer zu lassen, sodass eine ganz andersartige Schwingung entsteht, zwar noch auf dem gleichen Ton, aber mit einer anderen Klang-Farbe, der Kopf-Stimme. Sie kling zunächst ein wenig dünner, feiner und zerbrechlicher, aber tendenziell in einer für die höheren Lagen einfacheren Form, am schönsten mit dem Vokal i zu erhalten. Diese Kopf-Stimme kann jetzt einen ganz bestimmten idealen Klang-Verlauf nehmen und damit zu einem einzigartigen Sound heranwachsen, der ganz besonders gesanglich ist. Dieser Resonanz-Verlauf der Kopf-Stimme im klassischen Sinne, bzw. als Ergebnis der Klassischen Schule, nimmt einen bestimmten Weg. Nicht einfach von der Kehle durch den Hals nach oben in den Kopf und von dort nach Aussen, sondern in einer Art Welle ÜBER dem Kopf, über dem Gaumen verlaufend (nicht am Gaumen verlaufend), über dem Scheitel in einem Bogen nach Vorne. Sie erscheint dann als deutliche Resonanz auch im Gesichtsfeld, um die Augen herum, in der Nähe der Stirn. Nicht auf direktem Weg, sondern sozusagen im Umweg durch/über den Kopf nach Vorn. Die Mundhaltung bleibt dabei möglichst passiv, locker und unbeteiligt, die Lippen wie O-förmig nach Aussen gebogen, der Stimme wie ein Trichter den Weg nach Aussen weisend. Der Unterkiefer folgt dieser nach Hinten-Oben sich bewegenden Richtung der Stimme und fällt nach Unten mit einer leichten Tendenz nach Hinten. Jede Verspannung im Mund oder am Kiefer ist dabei störend und hindert die Stimme an der freien Entfalltung. Es ist nicht ganz leicht dieser Idealen Resonanz der Kopfstimme auf die Schliche zu kommen. Vor allem, weil dabei immer auch der Gegenpol nicht fehlen darf, die Körper-Resonanz. Auch die Kopfstimme kann ohne entsprechende Sound-Tiefe nicht richtig zur Entfaltung und in eine optimale Sound-Balance kommen. Die Tiefe entwickelt sich am besten über die Brust-Stimme, also an der Arbeit mit tieferen Tönen. O und A als Vokal sind dabei von großer Hilfe. Es ist wichtig die Tiefe wirklich zu SPÜREN, nicht nur zu hören, denn sehr oft resoniert die Stimme nicht viel tiefer als im oberen Brustkorb. Bis in den Bauch muß sie reichen, wenn sich das Vibrato einstellen soll. Dieses Vibrato ist dann auch bei der Kopfstimme ein Indiz dafür auf dem richtigen Weg zu sein. Erst eine Kopfstimme mit idealem Kopf-Resonanz-Verlauf UND einer gut spürbaren Körper-Resonanz mit entsprechend ausgeprägtem Vibrato erkling brilliant, weil OFFEN. Für die Rock und PopMusik ist dieser klassisch ideale Sound aber nicht grundlegend brauchbar. Dieser extreme Kopf-Sound transportiert nicht die gleiche körperliche Wucht einer Brustimme. Der soulige, gospelige Charakter der Stimme, bei der gerade die Frauenstimmen noch bis in die höchsten Lagen Bruststimme singen ist ein ganz anderes Ideal unserer Zeit. In diesem Sinne hat sich die sogenannte BELTING-Technik entwickelt. Das Wort "to belt" bedeutet dabei nicht etwa "schüren", wie das oft fälschlicherweise übersetzt wird, sondern "SCHMETTERN". Die Belting-Stimme klingt also "geschmettert". Jetzt ist es ganz wichtig zu klären, was genau denn dieses Schmettern erzeugt, und warum die Belting-Stimme nicht den gleichen Klang hat wie die klassische. Der klassische Sound steht in direktem Verhältnis zu den klassischen VOKALEN. Diese sind der Italienischen Sprache entnommen, welche den Vokalen der deutschen Sprache entsprechen. Die kleinen, deutlich umkreisten Vokalen a e i o u bilden einen klaren, eng umrissenen und auch kopf-resonantigen Ton. Die Belting Vokale hingegen entstammen einer anderen Sprache, nämlich der amerikanischen und sind entsprechend breiter und auch nicht mehr so genau Vokale als eigentlich mehr Vokal-Laute. Ein A gibt es als Vokal garnicht im Amerikanischen, jedenfalls nicht gesprochen. Das würde dann etwa wie "awe" geschrieben werden müssen um daraus ein gesprochenes A werden zu lassen. A spricht sich dort wie das deutsche Wort "ey". Um diese amerikanischen Belting-Vokale optimal aussprechen zu können und um sie damit auch besser singen zu können gibt es eine spezielle MUNDHALTUNG. Sie ist breit wie die breiten Vokal-Laute und GEBISSEN. Dieser BISS hat dabei die Funktion eines Hebels, der den Unterkiefer hinten vom Oberkiefer löst und somit im Rachenraum eine große Öffnung erzeugt. Diese AKTIVE Mundhaltung unterstützt den nach VORNE gerichteten Ansatz der Belting-Vokale , was ihr den charakteristischen "geschmetterten" Sound verleiht. WICHTIG: Die direkt nach Vorne gesprochenen Belting-Vokale erklingen automatisch mit dem geschmetterte Sound der Belting-Stimme. Es geht in keiner Weise um irgend einen zusätzlichen Druck gegen die Stimmbänder oder ein Pressen der Stimme um diesen Sound zu erzeugen. Allein die anderen Vokale, gesprochen in einer Kombination mit einer beißenden, aktiven Mundhaltung, erzeugen den charakteristischen Sound der Belting-Stimme. Bei der Erarbeitung dieses Belting-Ansatzes ist immer wieder problematisch, dass es verleitet zu pressen, und Anfangs der Eindruck entsteht, dass die Stimme geschrien wird. Oft sind die ersten Versuche überhaupt nicht gesanglich. Innerhalb der Übungen entsteht eigentlich nie ein wirklich "gesanglicher" Charakter der Stimme. Die Belting-Stimme ist innerhalb der Übungen immer sehr aufdringlich. Erst im Song, erst beim Singen wird deutlich wie die Belting-Stimme die "richtige" Stimm-Farbe hervorbringt. Belting ist ein Hilfsmittel. Am Ende benutzt jeder Sänger und jede Sängerin eine eigenen Mischung aus einer klaren "ganz nach Vorne" angesetzten Belting Stimme und einem Anteil an geführter Kopf-Resonanz wie sie aus dem klassischen Ansatz deutlich wird. Diese Mischung ist immer ein ganz natürliches Verhalten der Stimme selbst, schon allein deshalb, weil der Kopf-Resonanz Verlauf ein ganz und gar natürlicher Verlauf der Stimme ist. Belting ist also eine Spezialisierung - Die Basis ist und bleibt das Wissen um den natürlichen Verlauf der Resonanz, im klassischen Ansatz.
4. Belting / KlassikDer große Unterschied zwischen klassischer Stimme und moderner PopMusik-Stimme ist nicht allein der SOUND. Viel wesentlicher ist der Grund, warum gesungen wird, was das Singen als Tätigkeit heute ist. In der klassischen Schule gibt es ein hohes klangliches Ideal, welchem der Schüler generell folgt. Die verschiedenen Schüler folgen alle gleichermaßen EINER idealen Vision vom perfekten, optimalen Klang. Alle Möglichkeiten DER Stimme an sich werden bearbeitet, entwickelt und in eine ideale Balance gebracht bei der am Ende DIE klassische Stimme hervor gebracht wird. Das individuelle am klassischen Vortrag ist sehr wohl vorhanden, doch es liegt dabei immer eine Vorgabe zugrunde, wie der ideale Klangverlauf zu sein hat, und welchen Vorschriften der Sänger oder die Sängerin im einzelnen folgen soll. Trotz der verschiedenen Schulen der klassischen Stimme gibt es keinen Zweifel darüber, dass es immer wieder um DAS IDEAL der Stimme geht und nicht um die persönlichen Vorstellungen der Sänger und Sängerinnen. Im Unterschied zum modernen Gesang werden immer "nur" saubere Töne, klare Linien, fließende Formen hervor gebracht. Das INDIVIDUELLE, also die FEHLER, das Kratzen und Kieksen und Zerren wird schon im Vorfeld eliminiert und hat keine Bedeutung. In der Rock und Pop-Musik schon. Da macht es den individuellen Gesang erst aus. Alles geht, und je ausgefallener und extremer, desto interessanter ist es. In jedem Falle ist die Persönlichkeit der Sänger und Sängerinnen von größerer Wichtigkeit als die Fähigkeit "wirklich" Singen zu können. Leider ist das heute so extrem, dass eine manchmal schon fast tragisch unmusikalische Stimme im Computer nachbearbeitet wird und sich verkauft allein über die Popularität des Interpreten, obwohl dort weder Musikalität noch Stimme vorhanden ist. Alle diese Bereiche des Modernen Singens sind profitabel aber von keinem künstlerischen Wert. Mir ist es im Unterricht niemals darum gegangen das "Mitsingen" zum Mitschunkeln zu vermitteln. Die Möglichkeiten der Modernen Stimme sind so unglaublich vielschichtig und extrem, wie die Menschen die heute leben. Das interessante am Singen ist Heute die Möglichkeit sich Selbst ganz individuell stimmlich zum Ausdruck zu bringen. Ich kann als Sänger Dinge tun, die sich immer noch auf der klassischen Basis begründen müssen um weiterhin "gesund" für die Stimme im organischen Sinne zu sein. Doch ich kann auch darüber hinaus etwas tun, was niemand für möglich hält und meinen ganz individuellen Charkter in meine Stimme bringen, mit allen Fehlern und Lastern, die mich kennzeichnen. Ich kann schreien wenn ich will und hauchen. Ich muß mich nicht den fließenden Bewegungen der Melodie unterordnen, sondern kann starke rhythmische Akzente gepaart mit Geräuschen und Schreien verbinden zu einem sehr komplexen Ereignis Gesang. Die Technik tut ein weiteres hinzu. Mit dem Mikrofon werden alle diese sonst störenden, feinen Ereignisse innerhalb der Stimme verstärkt und in hörbare Bereich angehoben, und somit brauchbar und verarbeitungsfähig. Tatsächlich ist der Sänger früherer Zeiten ganz auf seine Stimme allein angewiesen gewesen, wenn er im Konzert-Saal oder auf den Opern-Bühnen allein mit seiner Stimme für ein große Publikum sang. Heute ist das alles ganz anders. Selbstverständlich wird schon in kleinen Clubs mit Verstärkern und Mikrofonnen gearbeitet. Niemand muß noch wirklich "unplugged" also "unverkabelt" auf die Bühne. Das hat eine große Veränderung in die Musik gebracht. Für den professionellen Rock-Sänger ist das Mikro so etwas wie die zweite Heimat. Das Mikro bringt die Feinheiten der Stimme hervor MIT denen gearbeitet wird, die nicht unterdrückt bzw. eliminiert werden um der Reinheit eines sauberen Tones willen, sondern die intensiviert und benutzt werden, die Teil der Stimme sind und es auch ganz bestimmt sein sollen. Genau wie die persönliche Stimmung nicht wirklich kontrollierbar ist, ist auch eine solche persönliche Stimme nicht bis zur letzten Konsequenz kontrollierbar.
5. Persönlichkeit / PrinzipiellesDie
persönlichen Stimmungs-Schwankungen haben
große Auswirkungen auf die Qualität des
Gesanges, lösen bestimme Effekte eben erst
aus. Die Kontrollierbarkeit einer solchen
Stimmungs-gefärbten-Stimme ist nur langsam
erreichbar, weil sie nicht bestimmten
organischen und quantitativen Voreinstellungen
zugrunde liegt, sondern seelische, auf der
Gefühls-Ebene stattfindende Prozesse
miteinbezieht, die ich kontrollierbar machen
muss. Die Unkalkulierbarkeit solcher
Stimm-Prozesse muß ich lernen mit
einzubeziehen in meinen Gesang. Wo ich im
klassischen Ideal lerne werktreu zu singen und
immer wieder gleich phrasiere einem höheren
Ideal folgend, bin ich in der modernen Musik
durchaus mutiger und improvisiere einfach wenn
ich merke, dass meine Stimme heute nicht
entstprechend reagiert. Ich lasse meiner
Musikalität und meinen eigenen kreativen
Kräften freien Lauf, durchbreche vorgegebene
Muster und fördere meine eigene
Interpretation wo immer es geht. Die Gefahr
einer EINSEITIGEN Belastung bzw. Nutzung der
eigenen Stimme ist dabei sehr groß. Deshalb
ist es um so wichtiger in hohem Maße ein
Verständnis der klassischen Stimmbildung zu
entwickeln. Denn auch wenn der Sound und die
Musikalische Formungskraft unendliche
Möglichkeiten hat, unterliegt die Stimme
ORGANISCHEN Grenzen.
6. LiteraturSadolin, Catherine: Roland
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